Sargasso in Mexiko

Es hat viele Namen, ob als Sargassum, Braunalge, Golftang oder Plürre bezeichnet, alle meinen das Gleiche. Der biologische Name ist Sargassum muticum und es ist hochgradig invasiv (durch Menschen verursachte Ausbreitung). Nichts ist derzeit öfter in aller Munde, wenn es um Mexikos Karibikküste geht, als das Sargassum, das das Wasser stellen- und tageweise unbegehbar macht. Aber nicht nur unsere Urlaubsfreuden werden getrübt, auch die Unterwasserwelt ist in Gefahr. Da es auch von Mexiko-Urlaubern immer wieder angefragt und nachgefragt wird, möchte ich hier ein paar Gedanken zum Sargasso, dem Feind des Mexiko-Touristen geben.

Sargassum muticum

Was ist Sargasso?

In Mexiko ist es unter dem Namen Sargazo bekannt. Wir nennen es mal Sargasso, Sargassum, Braunalge, ja sogar fälschlicherweise Seegras. Seegras wächst am Meeresboden und bietet eine Nahrungsquelle für Meerestiere, wie Schildkröten und Seekühe. Somit ist Seegras also ganz und gar nicht gemeint, wenn es um Sargasso geht. Eher wird damit eine Art der Braunalge bezeichnet, die sich an der Wasseroberfläche verhakelt und einen großen Teppich bildet. Sargasso gab es schon immer, selbst Kolumbus berichtete von der Sargassosee. Es trat auch schon immer mal mehr und mal weniger an den Küsten auf. Seit 2018 ist das Ausmaß aber unfassbar groß.

Einzelne Alge gesichtet vor 11 Jahren in Playa del Carmen.

Wo kommt das Sargasso her?

Nahe der Bermudainseln liegt die sogenannte Sargassosee, ein Meeresgebiet, wo die Braunalge, wie eine riesige Insel treibt. Je nach Meeresströmung und Wind, wird das Sargasso an die Küsten der Karibik geschwemmt. Richtig, die komplette Karibik ist betroffen. Die Inseln vor Mexiko haben das Glück, dass immer „nur“ die Meeres-zugewandte Seite vom Sargasso überschwemmt wird. Die Ostküste Mexikos trifft es leider komplett. In manchen Orten mehr, in anderen weniger.

Wieso gibt es Sargasso?

Leider kann das noch niemand so genau sagen. Es gibt mehrere Vermutungen.

Klimawandel als Grund für Sargasso

Ganz vorne mit dabei ist der Klimawandel, als Hauptgrund. Die Meere erwärmen sich und die Pflanze ist wachs-freudiger. Wie gesagt, ein paar Algen lagen schon immer am Strand. Mit den Massen und komplett vollen Stränden, hat Mexiko allerdings erst seit letztem Jahr zu kämpfen.

Durch die Veränderung des Klimas, ändern sich auch die Strömungen und Winde und somit schwimmen große Teile der Algen in die Karibik.

Mehr Wachstum durch Düngemittel

Eine andere Theorie ist, dass immer mehr Abwasser ins Meer gepumpt wird. So landen beispielsweise auch Düngemittel im Wasser und regen das Wachstum der Algen an. Im Gespräch sind vor allem die großen Flussmündungen des Mississippi und des Amazonas.

Umweltbelastung

Egal welche vorherige Theorie zutrifft, im Allgemeinen ist wohl die zu hohe Umweltbelastung Schuld am Sargasso. Denn letztendlich entsteht der Klimawandel ja hauptsächlich aus Verschmutzung und Belastung. Ebenfalls sehe ich die Störung des Gleichgewichtes der Meere durch Zutun aus Menschenhand als Umweltbelastung. Wir überfischen die Meere, wir kippen unseren Müll ins Meer, wir leiten Abwässer, Schadstoffe, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und weiß der Geier ins Meer. Ja die Umweltbelastung ist definitiv ein Problem aus Menschenhand und letztendlich entsteht das Sargasso aus einem Zusammenspiel des ganzen Dilemmas. Der Massentourismus, der in den letzten Jahren in Orten der Karibik entstanden ist und die ganze Kreuzfahrttouristik, trägt sicher auch dazu bei. Egal was nun genau der Auslöser ist, es gibt einen Schuldigen: Der Mensch!

Ist Sargasso schlimm?

In geringen Mengen, wie es sonst immer vorkam ist das Sargassum keine schlechte Sache. Die Sargasso-See bietet Schutz und Lebensraum. Allerdings sind die Massen, die aktuell angespült werden doch ein anderes Kaliber. Sie verjagen nicht nur den Tourismus aus der Riviera Maya, sondern machen auch ganze Lebensräume von Meeresbewohnern kaputt. Die Algen legen sich auf Korallen, sie schwimmen an der Oberfläche und verdunkeln das Meer. Andere Pflanzen wachsen nicht mehr und Tiere finden keine Nahrung. Also ja, so wie das Sargasso seit letztem Jahr auftritt, ist es definitiv nicht gut.

Sargasso im Wasser im Juli 2019 vor Tulum

Wann tritt das Sargasso häufiger auf?

Im Sommer 2018 wurde das Problem um das Sargasso weltweit bekannt. Zum Oktober, November wurde es weniger und im Winter war eigentlich wieder Normalzustand erreicht. Hier und da wurde etwas angespült aber das war lange nicht so extrem, wie ein paar Monate zuvor. Wir waren im März vor Ort. Es gab einen schmalen Streifen am Strand, der immer wieder weggeräumt wurde, jedoch war das Wasser frei und türkisblau. Seit Mai kam es wieder vermehrt zu Berichterstattungen von Massen an Sargasso und die Meldungen nahmen im Juni, Juli bis heute auch nicht ab. Wenn man sich am vergangenen Jahr orientiert, wird es zum Winter wieder weniger werden. Aber das ist genau so schlecht vorherzusagen wie das Wetter. Ja sogar noch schlechter. Fakt ist, dass es kommt und geht. Es gibt auch in der Sargasso-Hochsaison Tage, an denen die Strände strahlendweiß und das Wasser türkisblau ist.

Bilder: Vergleich der Strand im März und Juli 2019 – nicht mehr und nicht weniger. Es gibt allerdings auch Tage, die weichen sehr stark ab.

Wo tritt das Sargasso häufiger auf?

Es gibt Strandabschnitte und Buchten, die kriegen mehr ab, andere weniger. Es kann auch von Tag zu Tag so unterschiedlich sein. Mal trifft es eben Tulum ganz hart, mal Puerto Morelos und einen anderen Tag Playa del Carmen. Insgesamt lässt sich aus Erfahrungswerten sagen, dass Holbox eher verschont ist und auch die Inseln Cozumel und Isla Mujeres an der Land zugewandten Seite kein oder nur wenig Sargasso haben. Auch die Strände nördlich von Cancún, kriegen wohl weniger ab, als die restliche Riviera Maya.

Massen Sargasso am Strand

Mittlerweile gibt es Facebookgruppen, die tagtäglich berichten, wo wie viel Sargasso rum schwimmt.

Kann man ins Meer, trotz Sargasso?

Vereinzelte Pflanzen stören nicht weiter. Ist allerdings ein ganzer Algenteppich zu sehen, wird dringend davon abgeraten ins Meer zu gehen. Sicherlich vergeht einem auch die Lust, denn die Pflanzen sondern einen teils unerträglichen Geruch ab. Berichterstattungen zu Folge, hatten Menschen nach dem Durchschwimmen des Sargassos Kreislaufbeschwerden. Es erschwert das Schwimmen auch extrem, weil die Pflanzen hängen bleiben und man sie mitschleppen muss.

Verschwindet das Sargasso auch irgendwann wieder?

Die Beseitigung der Algen vom Strand ist in meinen Augen ein Kampf gegen Windmühlen. Mexiko ist schon daran eine Verwendung für das Sargasso zu finden. Es wurden auch schon Netze im Ozean installiert, die die schwimmende Plage fernhalten sollen, aber sie haben nicht gehalten.

Vor den Hotels und an öffentlichen Stränden, wird regelmäßig geräumt, sobald das Sargasso nicht mehr im Meer schwimmt.

Aufräumaktion am Strand in Akumal

Letztendlich muss das Problem am Schopf gepackt werden. Warum gibt es so viel Sargasso und wie können wir das Wachstum wieder minimieren? Es ist ein weltweites Problem. In diesem Fall muss dieses Problem die Karibik ausbaden. Meiner Meinung hilft nur ein Kampf gegen den Klimawandel, gegen Umweltverschmutzung, gegen Zerstörung der Natur und und und. An diesem Kampf darf sich gern jeder beteiligen. Hierfür müssen wir alle unser Konsumverhalten anschauen und stets optimieren! Ich befürchte, die nächsten Jahre wird es das Problem weiterhin geben. Ich denke auch, dass jedes Netz im Ozean und jedes Mittelchen gegen das Wachstum der Algen, wieder andere negative Auswirkungen hat. Deshalb bin ich kein Fan von derartigen kurzfristigen Lösungen.

Was mache ich in Mexiko, wenn die Strände voll von Sargasso sind?

Ihr hattet Badeurlaub geplant und das Baden ist nur im Hotelpool möglich? Doof, ich weiß, aber nicht zu ändern. Eine gute Nachricht gibt es aber. Mexiko hat so viel mehr zu bieten, als nur seine Ostküste. Es gibt unzählige Touren und auch Möglichkeiten unweit der Riviera Maya, langweilig wird es hier garantiert nicht. Auch im Vorfeld kann man sich überlegen eine Tour zu buchen, einen Mietwagen zu nehmen oder gleich eine Rundreise zu machen.

Wunderbar schwimmen und sich erfrischen kann man in den Cenoten. Plant eine Shoppingtour im Mercado 28 in Cancún oder schlendert durch die Quinta Avenida in Playa del Carmen. Die Pyramidenkomplexe Chichén Itzá und Cobá sind nicht weit entfernt. Mit der Fähre kommt ihr von Playa del Carmen super gut nach Cozumel und von Cancún nach Isla Mujeres. Auch Holbox ist definitiv die weite Anreise wert. Ein anderer nicht zu unterschätzender Badeort ist die Lagune von Bacalar. Hier gibt es garantiert kein Sargasso und herrliches Wasser in den verschiedensten Türkis-Tönen.

Bacalar ohne Sargasso

Wusstet ihr, dass Mexiko noch eine andere Küste hat? Die ist sogar viel größer und nicht weniger schön als die Karibikküste. Schwimmen im Pazifik ist ganz anders. Die Strände sind hier nicht ganz so weiß, aber das Wasser ist genau so schön. Ideal für einen Strandurlaub ohne eine einzige Alge. Auch auf der anderen Seite gibt es schicke Hotels und idyllische Orte.

Strand auf der Pazifik-Seite Mexikos

Ja und zudem lockt das Inland. Glaubt mir, es gibt so viel zu entdecken, dass es schade wäre nur zum Baden nach Mexiko zu kommen.

Was kann ich als Tourist selber tun?

Macht euch euren Lebensstil bewusst. Klar, niemand kann von heute auf morgen total im Gleichgewicht mit der Umwelt leben. Arbeitet Stück für Stück an eurer Lebensweise und hinterfragt jeden Einkauf, jede Dienstleistung etc. Muss das Shampoo unbedingt aus Plastikflaschen kommen? Brauche ich unbedingt einen Strohhalm im Cocktail? Muss ich so viel einkaufen, obwohl man es nie schafft zu konsumieren? Muss ich im Urlaub immer fliegen oder aufs Schiff? Ich könnte mit so vielen Fragen weiter machen, aber ich glaube das wird mal ein eigener Blogbeitrag 😉 Letztendlich sind wir für unsere Welt verantwortlich. Die Natur schlägt zurück. Wer weiß was als nächstes kommt…

Bilder ©️ by Juliane Cieslik und Josephine Haak